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Infektionsschutz für alle Bürger Westerkappelns

Unternehmer will 12 000 Mund-Nasen-Masken fertigen

Der Mangel an Atemschutzmasken und anderen medizinischen Schutzausrüstungen behindert nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Kampf gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2. Wolfgang Brommer-Reuß möchte zumindest in Westerkappeln Abhilfe schaffen. Ab sofort will seine ISI-Umwelttechnik GmbH spezielle Gesichtsmasken in größerer Stückzahl anfertigen: flächendeckend und kostenlos für die Bevölkerung in der Gemeinde. Dafür braucht er Unterstützung.

Foto: Frank Klausmeyer
Funktionstest: Mit einer simplen Sprühflasche aus dem Gartenmarkt zeigt Unternehmer Wolfgang Brommer-Reuß, wie Aerosole sich in der Luft verteilen. Seine Nichte und Mitarbeiterin Sandra Brommer ist mit der selbst entwickelten Mund-Nasen-Maske vor dem Einatmen winzigster Partikel geschützt.
Funktionstest: Mit einer simplen Sprühflasche aus dem Gartenmarkt zeigt Unternehmer Wolfgang Brommer-Reuß, wie Aerosole sich in der Luft verteilen. Seine Nichte und Mitarbeiterin Sandra Brommer ist mit der selbst entwickelten Mund-Nasen-Maske vor dem Einatmen winzigster Partikel geschützt.

Von: Frank Klausmeyer
Westerkappeln | Montag, 30. Mrz. 2020 - 18:57 Uhr

„Wir müssen es schaffen, dass die Leute selbst Initiative ergreifen“, sagt der 68-Jährige. Völlig unverständlich ist für ihn, dass die Menschen hierzulande trotz der Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus fast alle ohne Atemschutz durch die Gegend laufen. In China, wo der Diplom-Ingenieur auch Geschäfte macht, sei das völlig anders.

Vor allem, dass das Verkaufspersonal in den Supermärkten und anderen noch geöffneten Läden meist ohne Atemschutz arbeitet, kann Brommer-Reuß nicht nachvollziehen. Abstand zu halten helfe nichts, wenn mit Viren belastete Aerosolwolken – das sind kleinste feste und/oder flüssige Teilchen – durch die Gegend wabern. Vor allem bei trockener Raumluft; die virenhaltige Tröpfchen verkleinert, bedeute das eine Gefährdung für sich und andere, gibt der Unternehmer zu bedenken.

Handelsübliche Atemschutzmasken sorgten für einen gewissen Schutz, „aber das Umfeld wird ohne Masken nicht vor Aerosolemissionen geschützt“. Abgesehen davon, seien die Masken derzeit nur schwer erhältlich. „Und das, was im Internet angeboten wird, ist oft überteuert.“ Es könne doch nicht sein, dass Deutschland als Industrienation nicht in der Lage sei, solche Dinge in genügendem Maße selbst herzustellen, meint der Maschinenbauer. Auf die Idee, selbst in die Produktion einzusteigen, brachte ihn seine Nichte Sandra Brommer. Die 42-Jährige habe ihn daran erinnert, dass die ISI-Umwelttechnik doch über das notwendige Know-how verfüge. Die im Gewerbegebiet Gartenkamp ansässige Firma stellt seit über 25 Jahren Recycling- und Reinigungsgeräte für brennbare und nicht brennbare Flüssigkeiten her und seit zehn Jahren unter der Marke „ISIWater®“ auch Trinkwasserreinigungsgeräte. Die hier gesammelten Erfahrungswerte mit Spezialfiltern will Brommer-Reuß nun zum Kampf gegen das Coronavirus nutzen.

Weil nicht normiert und nicht geprüft, spricht der Westerkappelner nicht von Atemschutz-, sondern von Mund-Nasen-Masken. Zum Einsatz soll ein wasserabweisendes Mischgewebe aus Polyamiden und Polyestern kommen. Der Stoff sei schweißbar, müsse also nicht genäht werden. Die Gummibänder zur Befestigung am Kopf könnten ganz einfach eingezogen werden. Das Kunststoffmaterial stoppe Aerosole sowohl beim Aus- als auch beim Einatmen. „Die Streuung ist dabei nicht gleich Null, aber deutlich minimiert“, betont Brommer-Reuß.

Noch ein Vorteil: „Die Masken sind sehr strapazierfähig und gut desinfizierbar, können also immer wieder verwendet werden“, erklärt der Ingenieur. Die Masken sollten nach Gebrauch beidseitig desinfiziert und getrocknet werden. Es reiche, sie einfach eine Weile in 70- bis 75-prozentiges Ethanol zu legen und anschließend zu trocknen. Eine Wäsche bei 90 Grad tue es auch. Dabei könne jeder Ethanol als Desinfektionsmittel – auch für andere Zwecke – ganz einfach selbst herstellen: „Dazu reichen 0,8 Liter Brennspiritus und 0,2 Liter Wasser – fertig.“

1500 Masken will die Firma jetzt sofort herstellen und kostenlos in Westerkappeln an Verkäuferinnen und Verkäufer, an Physiotherapiepraxen, an die Gemeindeverwaltung und an die Post verteilen. „Das sind alles Leute, die engere Kontakte zu anderen Menschen haben.“

Noch mehr Masken könne die ISI-Umwelttechnik GmbH mit ihrer Handvoll Mitarbeitern nicht fertigstellen. Die Zuschnitte und das Verschweißen des Gewebes könne darüber hinaus geleistet werden. Der Geschäftsführer appelliert aber an andere Unternehmen aus Westerkappeln sich bereit zu erklären, die Endfertigung, sprich das Einziehen der Gummibänder, in die Hand zu nehmen oder das entsprechende Material bestenfalls zu sponsern. Letztlich gehe es dabei um eine Summe von nur circa 9000 Euro für 12 000 Masken, sagt Brommer-Reuß. Auch Privatleute seien zur Unterstützung aufgerufen. „Wenn 50 Personen helfen, wäre die Sache an einem Tag erledigt.“ Die Verteilung der Masken, insbesondere an Risikogruppen, könne ja vielleicht das DRK übernehmen. „Wir wollen natürlich nicht, dass die am Ende in den freien Handel gehen.“

Wolfgang Brommer-Reuß hofft, dass seine Hilfe zur Selbsthilfe Nachahmer in anderen Kommunen findet. „Unsere Aktivitäten bleiben aber auf Westerkappeln beschränkt“, betont der 68-Jährige. Sein Wissen gebe er jedoch gerne an andere weiter.

Die Gemeinde Westerkappeln unterstützt die Aktion. Interessierte Firmen oder Privatpersonen, die die Herstellung von Mund-Nasen- Masken unterstützen wollen, können sich an die Beauftragte für Wirtschaftsförderung, Anke Biehl, 05404/887-146, E-Mail: anke.biehl@westerkappeln.de, wenden oder an die ISI-Umwelttechnik GmbH, .05404/9614-0, E-Mail info@isiwater.de. Von einem persönlichen Besuch sollte aus Gründen des Infektionsschutzes Abstand genommen werden.

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